KAZUKI NAKAHARA

KAZUKI NAKAHARA Scan

Nun in den Galerieräumen von Inga Kondeyne neuerlich präsent: Schöpfungen der Hand von Kazuki Nakahara – und jetzt auch in einem weiterreichenden wortwörtlichen Sinne, denn der Künstler hat (unter bewährter professioneller Hilfe im Hause Bethanien zu Berlin) aufwendig Papiere eigenhändig geschöpft/hergestellt, denen mit natürlichen Pigmenten gefärbte Kozo-Fasern (Maulbeerbaum) als Lineamente ,handmade’ eingepasst wurden, ehe diesen nun reliefartig anmutenden, mit Graten und Wulsten durchzogenen, leicht cremefarbenen Papieren alsdann per Graphit und Farbstiften zu Leibe gerückt wird. In mindestens einem Punkt der künstlerischen Vorgehensweise geht dabei eine nicht sogleich auffällige, aber bemerkenswerte prozesshafte Umkehrung vonstatten: Was bislang mit dem Kohlestift am Blatt als risikoreiche letzte (Stör-)Setzung vollzogen wurde, wandelt sich mit den im Papierpulp eingelassenen Kozo-Faserlinien nunmehr zur ersten – zur Voraus-Setzung allen weiteren Tuns. Das gilt auch für die handgeschöpften kleineren, fragmentartigen Exponate, die – den größeren beigesellt – nunmehr die Galeriewände als ,wunderliche ,Kleinode‘ besiedeln.

Auf welchen Papieren auch immer, die Flüchtigkeit der Erscheinungen ist und bleibt allen Blättern Nakaharas eigen; stets ist die Sicht frei auf die vom Künstler Zeile für Zeile ausgefertigte Ansammlung unterschiedlichster Zeichnungskürzel mit dem Charakter leerer Signifikanten, wobei jede Zeile zugleich absichtsvolle Aussparungen vorhält, die ihrerseits in der Gesamtschau als Leerstellenlineaturen des Blattgrundes fungieren. All das organisiert sich zu einer abstrakten Konfiguration, die zuweilen expressiv/dramatisch konnotiert einherkommt. Strichführungen, Zeilen und Zeilenschübe verhaken sich zu spannungsgeladenen Gegenläufigkeiten und Überlagerungen, instrumentieren eingestreute Ballungen, Verwirbelungen oder Verwerfungen oder enden abrupt an vertikalen/diagonalen ´Durch-Strahlungen‘ des Blattgrundes.Mehrere, bisweilen rasante,Bewegungsimpulse‘ kommen ins Spiel, durchströmen bald so, bald so des Künstlers jüngste Zeichnungsfolge. Wenn man will, lassen sich den Visualisierungen da und dort energetische, teils auch naturhafte und/oder technoide Aufladungen abmerken – naheliegend vielleicht, aber womöglich auch trügerisch. Auf jeden Strich, jedes Kürzel, jedes Zeichengebilde als Ausdruck seiner selbst kommt es hier an; Nakaharas in der „Stille vor und hinter den Worten“ (May Ayim) anzusiedelnde, wortsprachlich letztlich nicht erreichbare und fassliche Detailtableaus wenden sich an Auge und Geist, stimulieren Empfindungen, innere Bilder, Erinnerungen, auch Fragen. Der überschaubare Materialeinsatz entfesselt gleichsam einen Sog in entmaterialisiertes‘ Gelände: welche Kräfte treffen hier auf-, welche ,Luftgeister‘ ringen hier miteinander? Die zeigende Auskunft jedes Blattes dazu: es ist SCHLEIERHAFT…

Josef Molitor

Kazuki Nakahara: 1980 in Kagawa/Japan geboren; 2000-05 Studium an der Yokohama City University; 2005-10 Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; 2010/11 Meisterschüler bei Hanns Schimansky;

Ausstellungen (Auswahl): 2009, 2010, 2011, 2013, 2015, 2017 Galerie Inga Kondeyne-Raum für Zeichnung, Berlin; 2011 „Anschlüssel London-Berlin“; Centre for Recent Drawing, London, fruehsorge contemporary drawing, Berlin; 2014 Centre for Recent Drawing, London, „travelling light“; 2016/2017 Tug Boat Gallery, Lincoln, Nebraska

; “Drawing Performance: Abstraction from Berlin and the United States”;  Marxhausen Gallery of Art, Concordia University Seward of Nebraska (USA); 2018  Kunstverein Eislingen, „8.biennale der zeichnung – ausgezeichnet“; „ Zeichnung der Gegenwart (II)“; Galerie Parterre Berlin;  2019 “Im Kosmos der Zeichnung”, kuratiert durch Dr. Anne Marie Freybourg, DRK Kliniken Berlin-Westend; 2021 „Dem Wind folgen“, Gallery Rupert Pfab, Düsseldorf; 2022 „Wind im Weiss“, Galerie Inga Kondeyne, Berlin; „The Abstract View“, Museum Modern Art, Hünfeld; „Über die Zeichnung hinaus“, Zentrum für Aktuelle Kunst, Zitadelle Spandau; „Lights on hands“, Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf;  2023 „A Path in to White“, Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf; 2023 „World Framed – Contemporary Drawing Art of the Schering Stiftung Collection“, Kupferstichkabinett, Berlin; „Von Blatt zu Blatt. Wege der Zeichnung“, Galerie Parterre Berlin; „The corner of the cloud“, curated by Jan Frühsorge, Alte Feuerwache, Berlin; 2024 „Strichhaltige Gründe“, Galerie Inga Kondeyne, Berlin; 2025 „Light field“, Galerie Rupert Pfab, Düsseldorf; „Abstrakte Welten – 100 Jahre GRIFFELKUNST“, Museum gegenstandsfreier Kunst, Otterndorf;  „Dissonance – Platform Germany #2“, Stadtgalerie Kiel, National Galerie in Bukarest; 2025 „auf den Punkt gebracht“, 45 Jahre Galerie Inga Kondeyne, Galerie Inga Kondeyne, Berlin;  2026″reimagining line“, Museum Reinickendorf, Berlin; „Ode aus Japan“, Semjon Contemporary, Berlin; „Experiment und Eigensinn“ Künstler*innen und Gestalter*innen der Kunsthochschule Berlin Weißensee 1997—2024, ZAK – Center for Contemporary Art, Berlin

Preise (Auswahl): 2026 KUNSTFONDS Stipendium, Stiftung Kunstfonds, Bonn; 2024 Recherchestipendien Bildende Kunst, Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Berlin; 2022 NEUSTART KULTUR / Stiftung Kunstfonds, Germany; 2020, Egmont Schaefer Prize for Drawing, Berliner Kabinett e.V.; Berlin; 2017 „Christine Perthen Preis für Radierung“, Berlinische Galerie, Berlin; 2013/14 Studienaufenthalt in London (Pola Art Foundation, Japan); 2011 „Mart Stam Förderpreis“, Mart Stam Gesellschaft, Berlin; 2010 BBK Leipzig e.V.,1.Preis „Ereignis Druckgraphik 2“.

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